Schließung der Notfallpraxis Jülich 25.02.2015

eingestellt von Dr.med. Dipl.-Ing. Hubertus Koenen

Nur ein Sturm im Wasserglas?
 
Es ist schon bedrückend und schockierend zugleich, dass wir niedergelassenen Ärzte über die Lokalpresse erfahren müssen, was sich die KVNO in Sachen Notdienstreform ausgedacht hat.


Trotz aller Bemühungen der Betreiber etablierter Notfallpraxen, sich konstruktiv und beratend in diese Überlegungen einzubringen, war man in Vorstand und VV der KVNO der Überzeugung, das ohne fachliche Unterstützung von außen bewältigen zu können.

Was dann dabei herausgekommen ist, wurde im Rahmen einer öffentlichen VV-Sitzung am 11.2.2015 vorgestellt. Einen besseren Termin hätte man kaum finden können, passte doch der Vortrag von Frau Dr. Pankow-Culot, eine der beiden Protagonisten, bestens in eine Karnevalssitzung.

Es war kaum zu ertragen, wenn man miterleben musste, wie dieses schwierige Thema Notfallreform derart niveaulos behandelt wurde. Der anschließende Vortrag von Herrn Dr. Wollring, sachlich, aber leider akustisch kaum verständlich präsentiert, ließ offen, warum diese Reform eine Verbesserung darstellt und inwieweit eine wirtschaftliche Verbesserung damit verbunden sei. Grade das heikle Thema „überregionaler Fahrdienst“ wurde nur marginal behandelt. Am Rande sei noch erwähnt, dass der vortragende behauptete, die Dürener Kreisstelle habe das Konzept abgesegnet, was sich nach Rücksprache mit Dr. Deiters als Lüge erweist.

Wir alle fragen uns, was hinter dieser Kampagne steckt. Dr. Potthoff äußert sich gestern im Radio dahingehend, dass mehr Gerechtigkeit bei der Dienstbelastung erreicht werden soll. Ein weiterer Grund sei, die Versorgung der Patienten grade in ländlichen Regionen zu verbessern. Man fragt sich, wie und wo das mit dieser Reform übereinstimmt. Der schon mehrfach im Vorfeld geäußerte Verdacht, mit dieser Komplettübernahme des Notfalldienstes Pflöcke einzuschlagen, um der zunehmenden Macht des Hausarztverbandes etwas entgegen zu setzen, klingt da schon wahrscheinlicher. Die Tatsache, dass bei dem ganzen Szenario das Mitspracherecht der Ärztekammer von der KVNO völlig ignoriert wird, spricht ihre eigene Sprache.

Wir sind alle aufgeschreckt und spüren, dass sich hier ein Prozess abspielt, der uns auf den Plan rufen sollte. Seitdem es untersagt wurde, die Vertreter der VV mit Mitgliedern der Kreisstellen zu besetzen, hat sich eine gewisse Entfremdung breit gemacht. Wir in der Basis fühlen uns mit unseren Interessen nicht vertreten, während man „dort oben“ glaubt, schon zu wissen, was gut für uns ist. Hinzu kommt, dass kaum einer seine Vertreter in der VV kennt.
 
Wohin das alles führt, sehen wir an diesem Beispiel „Notfallreform“. Wir alle sind jetzt gefordert, uns einzubringen, unsere Vorstellungen und Ansichten klar zu formulieren und dies über unsere Kreisstellen von Kammer und KV weiterzuleiten. Abgesehen davon dürften auch die Vertreter der Städte und Kommunen unserer Region wenig Freude an dieser Reform finden.

Alles in allem sollte diese Machwerk „Notfallreform“ als das behandelt werden, was es ist, nämlich nichts anderes ein Vorschlag, ein Denkmodell und vielleicht Grundlage für weiterführende Überlegungen, an deren Ende dann eine wirklich vernünftige, wirtschaftliche, vor allem aber realisierbare Reform des Notfalldienstes steht.

Dr. Hubertus Koenen
Vorstand


 


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